
Die parkinsonsche Krankheit
1.1 Was passiert im Gehirn?
Das Gehirn besteht aus vielen Milliarden Nervenzellen. Diese Nervenzellen stehen mit anderen Zellen durch Nervenfasern in enger Verbindung, um Informationen auszutauschen. Am Nervenfaserende, wo die Informationsübermittlung stattfindet, sind die Nerven durch einen kleinen Spalt voneinander getrennt
Über diesen Spalt hinweg wird die Information durch Botenstoffe übertragen. Diese Botenstoffe (wie z. B. Dopamin, Acetylcholin oder Glutamat) werden von einem Nervenende ausgeschüttet, an KontaktsteIlen auf der gegenüberliegenden Seite aufgenommen und als Impuls weitergeleitet.
Die Botenstoffe regeln u. a. auch den flüssigen Bewegungsablauf. Dabei müssen sie in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. So muss der Botenstoff Dopamin im Gleichgewicht mit den Botenstoffen Acetylcholin und Glutamat stehen, um geregelte Bewegungen des Körpers sicherzustellen
Bei der parkinsonschen Krankheit kommt es nach und nach zu einer Rückbildung der Nervenzellen, die das Dopamin bilden. Diese Nervenzellen, die aufgrund ihrer Farbe "Substantia nigra" genannt werden (zu deutsch
"schwarze Substanz"), liegen in der Tiefe des Gehirns
Seit den 1960er-Jahren weiß man, dass ein Mangel des Botenstoffes Dopamin für die Entstehung der parkinsonsehen Krankheit verantwortlich ist. Die Botenstoffe Acetylcholin und Glutamat erlangen ein Übergewicht . Da aber das ausgewogene Gleichgewicht der verschiedenen Botenstoffe einen koordinierten Bewegungsablauf sicherstellt, wird die Beweglichkeit durch das entstandene Ungleichgewicht verändert. Ein gestörter Bewegungsablauf gehört zu den typischen Symptomen der parkinsonschen Krankheit. Durch ver- . schiedene Medikamente ist es heutzutage jedoch möglich, dieses Ungleichgewicht der Botenstoffe auszuglei-
chen und somit die natürliche Beweglichkeit weitgehend wieder herzustellen.
1.2 Ursachen
Die Ursachen der parkinsonschen Krankheit sind trotz intensiver Forschung nicht eindeutig geklärt. Nach derzeitigem Wissen kommen für das Entstehen der Erkrankung verschiedene Faktoren in Betracht:
Umweltgifte
Es wurden in den letzten Jahren Substanzen entdeckt, die bei Tierexperimenten ein Krankheitsbild auslösten, das der parkinsonschen Krankheit beim Menschen sehr ähnelt. Diese Substanzen haben in ihrer chemischen Zusammensetzung Ähnlichkeit mit verschiedenen Pfli:mzenschutzmitteln. Aber bis heute konnte nicht nachgewiesen werden, dass durch Pflanzenschutzmittel oder ähnliche Substanzen die parkinsonsche Krankheit ausgelöst wird.
Stoffwechselprodukte
Im Rahmen des natürlichen Stoffwechsels der Zellen entstehen auch ,,Abfallprodukte", die unter bestimmten Bedingungen Nervenzellen schädigen können. Es wird vermutet, dass auch bei der Entstehung der parkinsonsC,hen Krankheit einige dieser Abfallprodukte des Stoff~ wechsels eine Rolle spielen. Die genauen Zusammenhänge sind aber noch nicht vollständig geklärt.
Erbliche Einflüsse
Es wurde in den vergangenen Jahren sehr gegensätzlich darüber diskutiert, ob die parkinsonsche Krankheit erblich ist. Es gibt zwar einige wenige Familien, in denen das Parkinson-Syndrom eindeutig von einer Generation auf die andere weiter vererbt wird. Die Krankheitssymptome und der Krankheitsverlauf bei diesen Patienten unter- . scheiden sich aber von dem "normaler" Parkinson-Patienten. Es handelt sich deshalb um zwei ähnliche, aber dennoch verschiedene Krankheiten. Auch bei eineiigen Zwillingsgeschwistern von Parkinson-Patienten konnte keine Häufung der Krankheit festgestellt werden.
Neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass in Familien von Parkinson-Patienten die Krankheit - wenn auch nur geringfügig - häufiger auftritt. Dies kann aber auch damit zusammenhängen, dass in diesen Familien aufgrund der Kenntnis des Krankheitsbildes - die Krankheit früher und häufiger erkannt wird.
Insgesamt kann man deshalb feststellen, dass die parkinsonsche Krankheit im engeren Sinn nicht erblich ist. Das bedeutet, dass Sie keine Befürchtungen haben müssen, dass Ihre Kinder auch an Parkinson erkranken werden. Die Wahrscheinlichkeit, die parkinsonsche Krankheit zu bekommen, liegt bei insgesamt etwa 1 zu 1000 - unabhängig davon, ob Familienangehörige erkrankt sind oder nicht.
1.3 Häufigkeit
Man schätzt, dass in der Bundesrepublik Deutschland bis
zu 200 000 Menschen an der parkinsonschen Krankheit leiden. Jedoch nur etwa die Hälfte von ihnen wird auch behandelt. Dabei gehört die parkinsonsche Krankheit mittlerweile zu den am besten behandelbaren neurologischen Krankheiten.
Krankheitsbeginn
Die Krankheit beginnt meistens erst zwischen dem 60. und dem 70. Lebensjahr (Abb. 4). Ein Grund für diesen relativ späten Krankheitsbeginn ist der auch bei den Erkrankten meist nur langsam voranschreitende Rückgang von Nervenzellen. Warum dennoch einige Menschen früher die Krankheitszeichen der parkinsonschen Krankheit entwickeln, ist unbekannt. In seltenen Fällen kann die Krankheit sogar schon sehr viel.früher beginnen - zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Man spricht dann von dem so genannten "Jugendlichen Parkinson".
1.4 Verlauf
Die parkinsonsche Krankheit ist eine langsam fortschreitende Erkrankung. Aber die Krankheit kann behandelt werden, auch wenn eine Heilung bislang nicht möglich
ist. Die Behandlung ist mittlerweile so gut, dass die Lebenserwartung des Betroffenen nicht beeinträchtigt
ist. Ihr Arzt wird Ihnen nach der DiagnosesteIlung einige Empfehlungen geben, wie Sie die Krankheitsbeschwerden bestmöglich in den Griff bekommen können. Dazu gehört zum einen die Behandlung mit Medikamenten. Wichtig ist dabei, dass die medikamentöse Therapie auf Sie persönlich abgestimmt wird. Denn jeder Mensch reagiert anders auf Medikamente. Deshalb müssen Sie und Ihr Arzt bei jeder medikamentösen Einstellung auch i~mer etwas Geduld haben, ehe eine optimale Kontrolle Ihrer Beschwerden erreicht wird. Zumeist gelingt es jedoch schon zu Beginn der Erkrankung, die Beschwerden gut in den Griff zu bekommen.
Unabhängig davon sollten Sie jedoch auch aktiv etwas für Ihre Gesundheit tun. Denn die parkinsonsche Krank-
heit beeinträchtigt den Bewegungsablauf. Und indem Sie Ihre Beweglichkeit ständig trainieren, können Sie sich diese auch langfristig erhalten. Ihr Arzt wird Ihnen dafür sicl:1erlich Übungshefte mitgeben. Falls er das noch nicht getan hat, fragen Sie danach. Sie können diese Übungshefte auch bei der dPV - Deutsche Parkinson Vereinigung - bestellen. Die Anschrift finden Sie im Anhang.
Ebenso wie jeder Mensch unterschiedlich auf die Behandlung anspricht, gibt es auch unterschiedliche Verläufe der Erkrankung. Mehrheitlich beobachtet man so genannte gutartige Verlaufsformen, bei denen die Patienten über viele Jahre hinweg nur gering ausgeprägte Krankheitssymptome zeigen und deshalb in ihrer Lebensführung und Leistungsfähigkeit kaum beeinträchtigt sind. Seltener treten schwerere Verlaufsformen auf, bei denen die medikamentöse Behandlung entsprechend aufwendiger und schwieriger ist. Es sind bisher leider noch keine Untersuchungen bekannt, die es von Anfang an ermöglichen, den Verlauf der Erkrankung sicher vorherzusagen. Eine solche Vorhersage ist in der Regel erst nach ein bis zwei Jahren der Beobachtung möglich.
Es soll nicht verschwiegen werden, dass Sie, von heute an gerechnet, in drei bis acht Jahren bemerken werden, dass die Krankheitszeichen wieder verstärkt auftreten. Dies liegt daran, dass die Krankheit weiter voranschreitet und Sie medikamentös "neu eingestellt" werden müssen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Sie Ihre Behandlung durch intensive krankengymnastische Übungen von Anfang an unterstützen. Doch auch nach Ablauf dieses Zeitraums von drei bis acht Jahren wird Ihr Arzt in der Lage sein, Ihre Beschwerden wieder so in den Griff zu bekommen,
dass Ihre bisherige Lebensqualität weitgehend erhalten bleibt. Darüber hinaus wird die medizinische Forschung in fünf bis zehn Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit neue und noch wirksamere Medikamente zur Behandlung der parkinsonschen Krankheit entwickeln können. Es wird auch intensiv an operativen Behandlungstechniken gearbeitet, die zu einer weiteren Linderung der Beschwerden führen können.
Adressen wo Du kostenlose Hilfe & Info bekommst:
www.parkinson-vereinigung.de
www.parkinson-treff.de
www.parkinson-club-u40.de
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